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 "KLANG UND KOMPONIST" 
INTERNATIONALES ORCHESTERINSTITUT ATTERGAU
 13. - 21. AUGUST 2010 


Prof. Wolfgang Schuster

KLANG UND KOMPONIST

Ein Symposion der Wiener Philharmoniker

Gemeinsame Veranstaltung mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien
5. bis 12. Juni 1990

Die Wiener Philharmoniker feierten im Jahre 1992 ihr 150jähriges Bestehen. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurde ein Symposion abgehalten, dessen Ergebnisse in einem umfangreichen Bericht festgehalten wurden ("Klang und Komponist" Symposionsbericht erschienen bei Schneider/Tutzing).

Auf der Suche nach einem Leitgedanken zu diesem Jubiläum wurde die Beziehung der zahlreichen in Wien lebenden Komponisten der Wiener Klassik, der Wiener Romantik und der Wiener Schule zu diesem Orchester ins Auge gefaßt.

Es wird allgemein angenommen, daß bei einigen Komponisten das Klangbild der Wiener Philharmoniker Einfluß auf das Schaffen der Meister hatte. Auf der Suche nach der Untermauerung durch Fakten mußte festgestellt werden, daß keine wissenschaftlich gesicherten Ansätze zu diesem Phänomen vorhanden sind.

Ausgangspunkt der Überlegungen bildete das bekannte Experiment des Stauffer-Kaisers Friedrich II., der, um die menschliche Ursprache zu finden, Neugeborene Waisenkinder von der Umwelt abgesondert aufziehen ließ und verbot, daß mit ihnen gesprochen werde. Die Kinder, es waren sieben oder acht an der Zahl, lernten nie, sich sprachlich auszudrücken und starben - das Älteste im Alter von 3 Jahren. Um sprechen zu können, scheint es daher notwendig zu sein, zunächst Sprache zu erfahren. Analog dazu könnte angenommen werden, daß man, um bewußt Musik zu machen, zunächst Musik hören muß.

Zum Unterschied von der Zeit zum 18. Jahrhundert, in der die Ausdrucksform in der Musik vorrangig von der Idee der "musikalischen Rede" (Nikolaus Harnoncourt) geprägt war, sucht der Komponist des 19. Jahrhunderts im vermehrten Maße sich über das Klangbild auszudrücken. Hiebei ist die besondere Lautsphäre der Zeitabschnitte, in der Komponisten ihre Klangerfahrung gemacht haben, von Bedeutung.

Bei diesen Symposien wurden nun einerseits Arbeiten über den besonderen Klang der Wiener Philharmoniker vorgelegt, andererseits aber, inwieweit die in Wien lebenden Komponisten vom in Wien vorherrschenden Klangbild, das im Wesentlichsten durch die Wiener Philharmoniker oder deren unmittelbare Vorgänger geformt wurde, beeinflußt wurden.

Das Symposion umfaßte:

  • Einen historisch soziologischen Teil
  • Berichte und Dokumentationen über die in Wien verwendeten Instrumente und der Vermessung deren Klanges durch das Institut für Wiener Klangstil unter Prof. Mag. Gregor Widholm an der Hochschule (heute Universität) für Musik in Wien. Diese Forschungen werden seit damals im großen Umfang weiterbetrieben.
  • Vorträge über den Wiener Instrumentalstil durch Mitglieder der Wiener Philharmoniker
  • Die Untersuchung der persönlichen Beziehung der Komponisten zu diesem Orchester sowie
  • Einen Teil, der sich mit Experimenten im Bereich des Hörens der Hörpsychologie, der Hörphysiologie und den verschiedenen physikalischen Aspekten dieses Bereichs beschäftigte.
    Dieser Teil wurde vornemlich von Vortragenden der Medizinischen Fakultät der Universität Wien getragen.

Vom größten Interesse wäre es, diese Untersuchungen, sowie die Forschungen, die seit dieser Zeit getätigt wurden, auch auf andere Länder und deren nationale Musizierstile (hier käme vornehmlich Frankreich in Frage) in Anwendung zu bringen.

Es war dies das erste Mal, daß so unterschiedliche Institutionen wie die Hochschule für Musik, das Institut für Musikwissenschaft und die Medizinische Fakultät der Universität Wien gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern an einem Projekt tätig waren.