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Prof. Wolfgang Schuster
KLANG UND KOMPONIST
Ein Symposion der Wiener Philharmoniker
Gemeinsame Veranstaltung mit dem Institut für Musikwissenschaft der Universität
Wien
5. bis 12. Juni 1990
Die Wiener Philharmoniker feierten im Jahre 1992 ihr 150jähriges
Bestehen. Zur Vorbereitung dieses Ereignisses wurde ein Symposion abgehalten, dessen
Ergebnisse in einem umfangreichen Bericht festgehalten wurden ("Klang und Komponist"
Symposionsbericht erschienen bei Schneider/Tutzing).
Auf der Suche nach einem Leitgedanken zu diesem Jubiläum wurde die Beziehung
der zahlreichen in Wien lebenden Komponisten der Wiener Klassik, der Wiener Romantik
und der Wiener Schule zu diesem Orchester ins Auge gefaßt.
Es wird allgemein angenommen, daß bei einigen Komponisten das Klangbild der
Wiener Philharmoniker Einfluß auf das Schaffen der Meister hatte. Auf der
Suche nach der Untermauerung durch Fakten mußte festgestellt werden, daß
keine wissenschaftlich gesicherten Ansätze zu diesem Phänomen vorhanden
sind.
Ausgangspunkt der Überlegungen bildete das bekannte Experiment des Stauffer-Kaisers
Friedrich II., der, um die menschliche Ursprache zu finden, Neugeborene Waisenkinder
von der Umwelt abgesondert aufziehen ließ und verbot, daß mit ihnen
gesprochen werde. Die Kinder, es waren sieben oder acht an der Zahl, lernten nie,
sich sprachlich auszudrücken und starben - das Älteste im Alter von 3
Jahren. Um sprechen zu können, scheint es daher notwendig zu sein, zunächst
Sprache zu erfahren. Analog dazu könnte angenommen werden, daß man, um
bewußt Musik zu machen, zunächst Musik hören muß.
Zum Unterschied von der Zeit zum 18. Jahrhundert, in der die Ausdrucksform in der
Musik vorrangig von der Idee der "musikalischen Rede" (Nikolaus Harnoncourt)
geprägt war, sucht der Komponist des 19. Jahrhunderts im vermehrten Maße
sich über das Klangbild auszudrücken. Hiebei ist die besondere Lautsphäre
der Zeitabschnitte, in der Komponisten ihre Klangerfahrung gemacht haben, von Bedeutung.
Bei diesen Symposien wurden nun einerseits Arbeiten über den besonderen Klang
der Wiener Philharmoniker vorgelegt, andererseits aber, inwieweit die in Wien lebenden
Komponisten vom in Wien vorherrschenden Klangbild, das im Wesentlichsten durch die
Wiener Philharmoniker oder deren unmittelbare Vorgänger geformt wurde, beeinflußt
wurden.
Das Symposion umfaßte:
-
Einen historisch soziologischen Teil
-
Berichte und Dokumentationen über die in Wien verwendeten Instrumente und der
Vermessung deren Klanges durch das Institut für Wiener Klangstil unter Prof.
Mag. Gregor Widholm an der Hochschule (heute Universität) für Musik in
Wien. Diese Forschungen werden seit damals im großen Umfang weiterbetrieben.
-
Vorträge über den Wiener Instrumentalstil durch Mitglieder der Wiener
Philharmoniker
-
Die Untersuchung der persönlichen Beziehung der Komponisten zu diesem Orchester
sowie
-
Einen Teil, der sich mit Experimenten im Bereich des Hörens der Hörpsychologie,
der Hörphysiologie und den verschiedenen physikalischen Aspekten dieses Bereichs
beschäftigte.
Dieser Teil wurde vornemlich von Vortragenden der Medizinischen Fakultät der
Universität Wien getragen.
Vom größten Interesse wäre es, diese Untersuchungen, sowie die Forschungen,
die seit dieser Zeit getätigt wurden, auch auf andere Länder und deren
nationale Musizierstile (hier käme vornehmlich Frankreich in Frage) in Anwendung
zu bringen.
Es war dies das erste Mal, daß so unterschiedliche Institutionen wie die Hochschule
für Musik, das Institut für Musikwissenschaft und die Medizinische Fakultät
der Universität Wien gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern an einem Projekt
tätig waren.
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