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GRUNDGEDANKE
In den Fünfzigerjahren unseres Jahrhunderts haben
die Musiker begonnen, sich in verstärktem Maße mit der Musik
vom Mittelalter bis zur Vorklassik zu beschäftigen, diese zu erforschen
und auf gewisse Musikepochen spezialisierte Ensembles zu bilden. Die dabei
gewonnenen Erkenntnisse flossen auch in die tägliche Arbeit der Musiker
traditioneller Symphonieorchester ein. Zweifelsohne hat diese Entwicklung
positive Auswirkungen auf die tägliche Arbeit im Orchester.
Wenn wir davon ausgehen, daß die totale Spezialisierung eines Orchesters
auf einen ganz speziellen Zeitraum der Geschichte eher eine Verarmung
als eine Bereicherung unseres Konzertlebens darstellt, so müssen
wir uns bemühen, die Stil- und Klangpalette der Symphonieorchester
zu erweitern. Von Leonard Bernstein stammt der Satz, daß ein Spitzenorchester
imstande sein muß, jede Musik im Lichte ihres speziellen Stils mit
seinem normalen Instrumentarium interpretieren zu können.

Nun haben gerade die Wiener Philharmoniker mit ihrem Stil bei der Suche
nach authentischer Interpretation ein großes Erbe einzubringen.
Denn das Bläserinstrumentarium dieses Orchesters und der damit verbundene
Musizierstil enthält wesentliche Elemente aus der Zeit bis zurück
zur Wiener Vorklassik.
Dieser spezielle Musizierstil soll im Rahmen des Internationalen Orchesterinstituts
jungen Musikern nahegebracht werden.
Es gibt den Zugang zur Wiener Klassik, der Wiener Romantik und der Wiener
Schule natürlich nicht ausschließlich über das Wiener
Instrumentarium, ebensowenig wie der Zugang zur französischen Musik
nur über französische Instrumente erfolgen kann. Denn entscheidend
ist der jeweilige stilistische Erkenntnisstand und die damit verbundene
Musiziergesinnung des ausführenden Musikers.
Diese Musiziergesinnung, im Bezug auf die Musik Wiens, soll jungen Musikern
aus aller Welt im Attergau vermittelt werden. Es werden bei jenen Instrumentengruppen,
für welche die entsprechenden französischen Instrumente vorhanden
sind, sowohl ausländische als auch Wiener Studenten eingeladen. Dabei
wird demonstriert, daß es durchaus möglich ist, auch vermittels
französischen Instrumentariums im Sinn der Wiener Tradition zu phrasieren.
Die Studenten lernen, mit ihrem eigenen individuellen Klang, die erlernten
stilistischen Eigenarten in ihr Spiel einzubringen.
Keinesfalls soll angestrebt werden, Studenten zum Wechsel ihres Instruments
oder ihrer Basisspieltechnik zu überreden. Das Lehrangebot soll keine
Veränderung sondern eine Bereicherung der Interpretationsmöglichkeiten
der jungen Musiker mit sich bringen.
Nicht zuletzt versteht sich das Orchesterinstitut Attergau aber auch als
Repräsentant Österreichs und seiner Musikkultur. Hier in diesem
Land, in dem die großen Komponisten der Wiener Klassik, Romantik
und Wiener Schule ihre Hörerfahrungen gemacht haben, und mit diesem
Klang im Ohr ihre Kompositionen schufen, soll den Studenten aus aller
Welt gezeigt werden, daß in Österreich eine ungebrochene Musiktradition
fortwirkt, die zu entdecken sich lohnt. Daß es zusätzlich möglich
ist, all das in einem so wunderbaren Umfeld zu vermitteln, wie es das
Salzkammergut mit seinem Attersee bildet, ist ein großer Glücksfall.

Attersee, Salzkammergut
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