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 GRUNDGEDANKE 
INTERNATIONALES ORCHESTERINSTITUT ATTERGAU

 13. - 21. AUGUST 2010 



GRUNDGEDANKE

In den Fünfzigerjahren unseres Jahrhunderts haben die Musiker begonnen, sich in verstärktem Maße mit der Musik vom Mittelalter bis zur Vorklassik zu beschäftigen, diese zu erforschen und auf gewisse Musikepochen spezialisierte Ensembles zu bilden. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse flossen auch in die tägliche Arbeit der Musiker traditioneller Symphonieorchester ein. Zweifelsohne hat diese Entwicklung positive Auswirkungen auf die tägliche Arbeit im Orchester.
Wenn wir davon ausgehen, daß die totale Spezialisierung eines Orchesters auf einen ganz speziellen Zeitraum der Geschichte eher eine Verarmung als eine Bereicherung unseres Konzertlebens darstellt, so müssen wir uns bemühen, die Stil- und Klangpalette der Symphonieorchester zu erweitern. Von Leonard Bernstein stammt der Satz, daß ein Spitzenorchester imstande sein muß, jede Musik im Lichte ihres speziellen Stils mit seinem normalen Instrumentarium interpretieren zu können.



Nun haben gerade die Wiener Philharmoniker mit ihrem Stil bei der Suche nach authentischer Interpretation ein großes Erbe einzubringen. Denn das Bläserinstrumentarium dieses Orchesters und der damit verbundene Musizierstil enthält wesentliche Elemente aus der Zeit bis zurück zur Wiener Vorklassik.
Dieser spezielle Musizierstil soll im Rahmen des Internationalen Orchesterinstituts jungen Musikern nahegebracht werden.
Es gibt den Zugang zur Wiener Klassik, der Wiener Romantik und der Wiener Schule natürlich nicht ausschließlich über das Wiener Instrumentarium, ebensowenig wie der Zugang zur französischen Musik nur über französische Instrumente erfolgen kann. Denn entscheidend ist der jeweilige stilistische Erkenntnisstand und die damit verbundene Musiziergesinnung des ausführenden Musikers.
Diese Musiziergesinnung, im Bezug auf die Musik Wiens, soll jungen Musikern aus aller Welt im Attergau vermittelt werden. Es werden bei jenen Instrumentengruppen, für welche die entsprechenden französischen Instrumente vorhanden sind, sowohl ausländische als auch Wiener Studenten eingeladen. Dabei wird demonstriert, daß es durchaus möglich ist, auch vermittels französischen Instrumentariums im Sinn der Wiener Tradition zu phrasieren. Die Studenten lernen, mit ihrem eigenen individuellen Klang, die erlernten stilistischen Eigenarten in ihr Spiel einzubringen.
Keinesfalls soll angestrebt werden, Studenten zum Wechsel ihres Instruments oder ihrer Basisspieltechnik zu überreden. Das Lehrangebot soll keine Veränderung sondern eine Bereicherung der Interpretationsmöglichkeiten der jungen Musiker mit sich bringen.

Nicht zuletzt versteht sich das Orchesterinstitut Attergau aber auch als Repräsentant Österreichs und seiner Musikkultur. Hier in diesem Land, in dem die großen Komponisten der Wiener Klassik, Romantik und Wiener Schule ihre Hörerfahrungen gemacht haben, und mit diesem Klang im Ohr ihre Kompositionen schufen, soll den Studenten aus aller Welt gezeigt werden, daß in Österreich eine ungebrochene Musiktradition fortwirkt, die zu entdecken sich lohnt. Daß es zusätzlich möglich ist, all das in einem so wunderbaren Umfeld zu vermitteln, wie es das Salzkammergut mit seinem Attersee bildet, ist ein großer Glücksfall.


Attersee, Salzkammergut